18.12.08
Schach | Der neunjährige Lorenz Wolf war Teilnehmer am Schüler-Schachkönig-Turnier in Therwil

Konzentration und Kindheitsdramen

Konzentriert bei der Sache: Der Grossvater hat Lorenz Wolf (rechts) das Schachspielen beigebracht. 	Bild Jan Krattiger
Konzentriert bei der Sache: Der Grossvater hat Lorenz Wolf (rechts) das Schachspielen beigebracht. Bild Jan Krattiger

 

Dutzende Kinder und Jugendliche trafen sich am Sonntag in Therwil, um den besten Jugendschachspieler der Nordwestschweiz zu ermitteln. Die «Volksstimme» begleitete den einzigen Oberbaselbieter Teil-nehmer Lorenz Wolf aus Itingen.

 

Jan Krattiger

Es ist ein eiskalter Sonntagnachmittag, als in Therwil das Jugendschachturnier unter dem Patronat des Jugendschach Nordwestschweiz im «Treff 99» stattfindet. Der Raum ist vollgestellt mit Tischen, diese sind bestückt mit unzähligen Schachbrettern und dazugehörigen Uhren, mit denen die Zeit der einzelnen Züge gemessen wird.

All das wäre weiter nicht erwähnenswert, würden sich nicht anstelle von fokussierten und hochkonzentrierten Schachprofis Dutzende von Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren an den Spielbrettern gegenübersitzen und die Figuren bewegen. Dementsprechend ist auch der Lärmpegel ein wenig höher als an Erwachsenen-Schachturnieren: Die Halbwüchsigen wuseln herum auf der Suche nach ihrem nächsten Gegner oder um sich die aktuelle Rangliste anzusehen. Spieltrieb und Nervosität tragen dazu bei, dass der Turnierleiter vor Beginn der anstehenden nächsten Runde wiederholt um Ruhe bitten muss.

 

Ein Jahr Erfahrung

Mitten in diesem chaotischen Treiben sitzt Lorenz Wolf, 9 Jahre alt und seit einem Jahr schachbegeistert. Ruhig und konzentriert sitzt er auf seinem Stuhl am Spielbrett Nummer 9, ihm gegenüber ein zwölfjähriger Junge – einer der stärksten Gegner und bisher unbesiegt. Nach einem langen Hin und Her, nachdem Lorenz zwischenzeitlich arg in Bedrängnis geriet, schafft er es doch noch, das Ruder herumzureissen und die Partie für sich zu entscheiden.

 

Stolz in der Stimme

«Das war sein dritter Sieg heute», erklärt Lorenz’ Vater Ernst Wolf nicht ohne Stolz in der Stimme. Nachdem die Spieler die Figuren für das kommende Spiel wieder auf dem Brett angeordnet haben, bleibt ein wenig Zeit, um mit dem Jungen über seine Leidenschaft zu sprechen. «Ich habe vor etwa einem Jahr von meinem Grossvater Schachspielen gelernt», erzählt er. Diesen hat er mittlerweile auch schon geschlagen und das Spiel seinem Vater beigebracht.

 

Lorenz übt beim Schachklub Liestal jeden Montag eine Stunde am Computer, wo er Eröffnungen, Mittelzüge oder Schlüsse einüben und sich Tipps von erfahrenen Spielern holen kann. Sein Vorbild ist der Russe Anatoli Karpov. Seither besiegt Lorenz regelmässig seinen Vater, wenn sie ab und zu zu Hause eine Partie spielen.

 

Sieger und Sieger

Im weiteren Verlauf des Turniers werden sich noch einige «Kindheitsdramen» abspielen. So werden zum Beispiel zwei Knirpse beim Turnierleiter vorstellig, beide behaupten steif und fest die letzte Partie gewonnen zu haben – im Hintergrund stehen die beiden Väter, nicken und pflichten ihren Kindern bei. Der Leiter fällt eine Entscheidung, enttäuscht damit eines der Kinder derart, dass dieses weinend davonstapft.

 

Lorenz hat inzwischen die nächste Partie im Eiltempo für sich entscheiden können, hat am Ende des Abends fünf von sieben Partien gewonnen und kommt somit auf den sechsten Rang, zusammen mit einigen punktgleichen Mitspielern.

 

Das Turniersystem ist so aufgebaut, dass auch die weniger starken Mitspieler es schaffen, Punktsiege zu ergattern, und so für weitere Turniere motiviert werden. Ebenfalls erhalten alle am Ende einen Pokal, den sie zu Hause präsentieren können. Auch Lorenz, dessen Trophäe vom Schachturnier in Therwil nun als Erinnerung im Haus aufgestellt ist.